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Nachgefragt: Im Gespräch mit Co-Trainer und Kapitän Bastian Jost

bastianjostIn der letzten Woche traf sich das Team von NACHGEFRAGT mit Bastian Jost, dem Co-Trainer und Kapitän unserer 1. Seniorenmannschaft. Der 35-jährige Defensivakteur sprach u.a. sehr ausführlich über seine bisherigen Spielerstationen, den aktuellen Stand der Mannschaft und mögliche Verstärkungen aus der eigenen Jugend. Ebenso verriet er, wovor er nur den Hut ziehen kann und warum er vor einigen Jahren vom Goalgetter zum Verteidiger wurde. Eine ganz bestimmte Frage bleibt aber weiterhin offen.....

 

 

Ich habe hier in der F-Jugend angefangen, hab aber nach einer Trainingseinheit gemerkt, dass mir das keinen Spaß macht, wenn 800 Kinder hinter einem Ball herlaufen. Ich hab also aufgehört zu kicken und bin in der D-Jugend erst wieder angefangen. Dann habe ich die Juniorenmannschaften durchlaufen und wurde im Alter von 17 Jahren in die erste Seniorenmannschaft hochgemeldet. Von 2004-2007 habe ich in Neuenheerse gespielt und bin dort im ersten Jahr in die Bezirksliga aufgestiegen. Nachdem ich dann wieder in Schwaney spielte, wechselte ich zur Saison 2013/14 zum SCV Neuenbeken. Joa, und jetzt bin ich wieder hier!

 

Ich habe die ganze Jugend im Sturm gespielt! Als mich Spielertrainer Jürgen Schwarze dann damals hochmeldete, war ich auch die erste Zeit Stürmer. Eigentlich war ich sogar recht erfolgreich, bis ich irgendwann unter Anton Böddeker eine torlose Halbserie spielte. Unter ihm wurde ich aus Personalnot zum Manndecker gemacht, wovon ich alles andere als begeistert war. Vom Manndecker wurde ich zum „Vorstopper“. Aus dieser Position wurde irgendwann im moderneren Fußball der Sechser. Das hat mir sehr gut gefallen – auch heute stehe ich zumeist auf der 6… Obwohl ich grade auch im letzten Jahr viel in der Innenverteidigung gespielt habe, ist der Sechser eigentlich genau die Position, die ich brauche! Ich sehe mich zweikampfstark und dies ist eben eine Position, in der man Zweikämpfe ohne Ende bestreitet. Außerdem ist die Entfernung zum gegnerischen Tor nicht ganz so weit wie in der Innenverteidigung – Torhunger hab ich immer noch!

 

(Lacht….) Das ist schwierig bzw. olofmellbschwer zu sagen! Beckham hab ich irgendwie immer nachgeeifert. Ich fand den Typen immer ganz interessant, vor allen Dingen weil den keiner so richtig mochte. Überragender rechter Fuß, klasse! „Aufm Platz“ bin ich aber doch eher der Mellberg, der Malocher mit Vollbart! Auch Positionstechnisch würde das eher passen, als der Vergleich mit dem filigraneren Beckham. ….Olof Jost!

 

Hmm,klein basti DSC 3314 erst mal vermisse ich definitiv diese verrückte Truppe aus Neuenbeken! Das war der absolute Kracher! Menschlich der Hammer und sportlich unfassbar. 100 Punkte hat niemand erreicht und wird niemand mehr erreichen. Ich hätte auch in Neuenbeken den Co-Trainerposten übernehmen können, hätte aber auch viel weniger Spielzeit bekommen. Ich werde zwar in dieser Saison noch 36 Jahre alt, aber ich hab halt noch einiges im Tank und viel zu viel Spaß und Ehrgeiz beim Kicken, als das ich die Pistolen jetzt schon an den Nagel hängen möchte. Von daher war das für mich, nach dem Klassenerhalt des TuS Egge, der logische Schritt.

 

Ich weiß gar nicht, ob Jürgen (Trainer Jürgen Schwarze, d.Red.) das wirklich wollte. Da kann ich nichts zu sagen. Ich wurde tatsächlich vorgeschlagen, was mich sehr überrascht hat – Und zwar von Julian selbst, meinem Vorgänger. Ich war zwar überrascht, hab mich aber sehr gefreut, bin stolz wie Oscar. Ich mache das gerne!

 

Ich glaub schon, dass es eine kleine Aufbruchsstimmung gab, nach der „schlechtesten Rückrunde der Welt“. Der Start verrät erst mal nichts über die Saison. Wir haben jetzt gemerkt, dass wir zumindest mithalten können, wenn jeder dem anderen hilft und wir im Kollektiv malochen. Wir haben nicht zwingend die Spieler, die herausstechen, deshalb geht es bei uns tatsächlich nur über die Mannschaft. Mit Sicherheit ist der Kader durch die Neuzugänge besonders in der Qualität breiter geworden. Was mir allerdings aufgefallen ist, ist die Entwicklung der Neuzugänge der Vorsaison. Von Jochen Wildenhues können Spieler wie Jonas und Marius unheimlich viel lernen und haben sich in der Kürze der Zeit schon beeindruckend weiterentwickelt. Und mit Lukas Fromme ist aus einem Talent ein echter Vollstrecker geworden. Dies nur als Beispiele. Potential ist in jedem Spieler vorhanden und so wie ich Jürgen kenne, wird er es aus jedem rauskitzeln. Es muss nur jeder bereit sein, Zeit und Energie zu investieren. Dann ist noch einiges möglich.

Zwischenfrage: Ist die Mannschaft noch ausbaubar, so wie sie jetzt ist?
Ausbaubar? Klar, in der Birne! Wir müssen viel cleverer werden. Wir reagieren zu viel, agieren selbst zu wenig! Wir verpennen zudem viele erste Spielminuten, kommen nicht sofort ins Spiel. Auch taktisch sind wir noch ausbaubar.

 

Also, auch wenn damit viele wahrscheinlich nicht einverstanden sind: Für mich sind diese ersten Punkte ein Polster nach unten und nicht unbedingt ein Fingerzeig an die Liga, dafür ist es viel zu früh. Wir müssen jetzt erst mal weitermachen. Die A-Liga in Paderborn wird immer ein Aushängeschild sein. Es ist sauschwer, aus dieser Liga aufzusteigen. Ich habe dieses Jahr DJK Mastbruch auf dem Zettel. Sie haben wieder eine junge und vor allem fußballerisch starke Truppe, schnell wie der Wind. Jetzt auch mit interessanten Verstärkungen. Dieser Busacca wird seine 30 Tore machen.. und der ist 1000 Jahre alt!

 

Christian Benthe und ich kennen uns schon ein Leben lang. Wir haben uns definitiv vorgenommen, die Kommunikation und die Zusammenarbeit der beiden Mannschaften ganz eng zu halten. Sobald wir was abgeben können, kriegt die Zweite Spieler und dasselbe natürlich auch andersherum. Wir werden uns definitiv gegenseitig unterstützen müssen. Jürgen und ich sind dankbar für jeden Spieler, Christian mit Sicherheit auch!

 

Träumen ist erlaubt, aber ich persönlich sehe das etwas fragwürdig. Wie eben schon gesagt, ist es erst einmal unheimlich schwer aus dieser Liga aufzusteigen. Man muss absolut fehlerfrei bleiben, weil die Konkurrenz knüppelhart und absolut wach ist. Die stürzen sich auf jeden Ausrutscher. Es gibt hier schon Truppen, die über Jahre und Jahrzehnte auf das „Ziel Bezirksliga“ hinarbeiten. Deshalb bin ich auch dankbar, dass ich in Neuenbekens perfekter Saison dabei sein durfte. Allein die Mannschaften oben zu ärgern, wäre für mich schon ein Erfolg. Auf Dauer Vierter, Fünfter, „best oft he rest“ und solche Geschichten. Wenn man sich dort über die Jahre etabliert, wäre es für mich schon ein riesen Erfolg. In dieser Saison [Basti überlegt lange] ziehe ich natürlich mit dem Trainer mit und sage: Einstelliger Tabellenplatz!

 

Das habe ich in der letzten Zeit definitiv zu wenig gemacht. Klar, ich musste es auch nicht und habe vor allem im letzten Jahr dann die Spiele in Neuenbeken geguckt, doch jetzt als Co-Trainer und Kapitän werde ich mir definitiv B- und A-Jugendspiele angucken. Das Ganze liegt mir ja auch am Herzen. In Abstimmung mit den jeweiligen Trainern geht es ja auch darum, gegebenenfalls irgendwann mal Spieler hoch zu melden. Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft auf die Heinemann-Brüder oder Michi Dunsche zukommen werden. Da muss man alles dransetzen, solche Spieler bei Laune zu halten.

 

Ich werde stetig langsamer, kann aber laufen wie ein Pferd! Fußballerisch und taktisch haben mich besonders die Jahre unter Thomas Bentler nur vorwärts gebracht. Er hat uns beigebracht, wie man mit Kopf Fußball spielt. Das war das erste Mal, dass wir uns richtig Gedanken über Taktik im Fußball gemacht haben. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit 30 noch so viel dazu lernen kann. Er ist und bleibt für mich der, der mir fußballerisch, aber besonders taktisch am meisten beigebracht hat. Das Jahr in Neuenbeken hat mich einfach ein bisschen ruhiger am Ball gemacht.

 

Ich hab mich in der Hinsicht natürlich auch weiterentwickelt, so ist es ja nicht! Ich hab mich schon auch gewandelt. Auch da war Tommy prägend: Er hatte hart mit mir zu kämpfen, mit Sicherheit. Nicht mehr so impulsiv zu sein und die Birne einzuschalten…Es wirdklein jost gelbe karteDSC 2263 einige verwundert haben, aber es ist so, dass ich ruhiger geworden bin, positiv spreche und Vertrauen zu den Leuten auf dem Platz habe! Eine gelbe Karte hätte mich früher komplett aus dem Spiel genommen. Ich wär der erste Kandidat für eine Auswechslung, da akut gelb-rot gefährdet. Ich lass mich durch sowas nicht mehr aus dem Spiel bringen. Ich würde mich dadurch ja nur selbst schwächen. Daraus habe ich gelernt. Ich hasse es einfach, zu verlieren, bin aber inzwischen der Typ der dem anderen auf die Schulter klopft, sofort positiv zuspricht.

 

Wegstreichen, hm…Ich bin abgestiegen, das ist an sich immer richtig beschissen! Einige rote Karten könnten auch gerne gestrichen werden. Da waren schon richtig dumme dabei. Die schlimmste Szene war allerdings aus dem Borchen-Spiel im Mai – Da rückt dann einiges in den Hintergrund!

 

Irgendwie ist das hier alles ein bisschen familiär und eng, das finde ich top! Ich finde gut, dass man mit seinen Belangen, Interessen und Anregungen zum Vorstand latschen kann. Diese werden dann auch aufgenommen und nicht in den nächsten Papierkorb verschoben, was meiner Erfahrung nach mal eine Zeit lang so war, heute aber glücklicherweise nicht mehr so ist. Die Rentner-Band finde ich auch irre. Ich weiß nicht, ob die von zuhause fliehen, aber die sind hier immer am werken und verbessern. Da ziehe ich den Hut vor!

Sportlich würde ich verbessern, dass man ab einer gewissen Jugend das 4-4-2 einführt und mit einem gemeinsamen taktischen Konzept arbeitet, um den Schritt in den Seniorenbereich zu erleichtern. Was ich ändern würde? …[lacht]. Diese Gardinen hier im Sportheim, die sind unfassbar! Das ist alles so Retro! Vintage!

 

nordisch[schmunzelt über das Spektakel]…. Da lehn ich mich tatsächlich zurück! Ich bin gerne dabei und mach auch noch ein paar Dönekes, aber da hab ich mich schon son bisschen zurückgezogen. Ich hab jetzt würdige Nachfolger, die da in meine Fußstapfen treten können!

 

Weiß ich nicht, keine Ahnung! Die Frage hat doch keine Sau gestellt! Ihr Spinner! Wir haben kein Datum und Jahr festgelegt. Da haben wir noch Zeit! :)

 

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei klein basti DSC 2378Bastian Jost für dieses ausführliche Interview und wünschen ihm weiterhin nur das Beste und viel Erfolg in der laufenden Saison!
Bis bald, euer NACHGEFRAGT-Team